Zur Geschichte unserer Kirche:


Im Gegensatz zu vielen anderen Kirchen Erfurts ist der Ursprung unserer Kirche bekannt. Die älteste erhaltene Urkunde der Lorenzkirche aus dem Jahr 1140 berichtet, daß der mainzische Vitztum Gislebert Stifter und Erbauer des Gotteshauses war und die Weihe durch den damaligen Probst in Erfurt, den späteren Erzbischof von Mainz, Adalbert II. ( 1138-1141 ), vollzogen wurde. Das muss also auf jeden Fall vor 1138 geschehen sein. Wie die Urkunde weiter bezeugt, hatte die dem Mainzer Stuhle direkt unterstellte Kirche ( der Erzbischof behielt sich Bestätigung und Investitur der Priester vor ) von Anfang an Pfarreirechte und war vom Dom unabhängig.

 

1318 wurde St. Lorenz durch Erzbischof Peter von Mainz dem verarmten Reglerkloster inkorporiert, das jedoch während der Reformationszeit das über die Kirche erhaltene Patronat nicht weiter ausüben konnte, da nur wenige Mönche zurückgeblieben waren und in der Reglerkirche seit 1523 evangelisch gepredigt wurde. Die Lorenzkirche, deren Pfarrer katholisch blieben, war nur kurze Zeit während des Bauernaufstandes 1525 ge-schlossen.

 

1615 schenkte der Mainzer Erzbischof den Jesuiten das leerstehende Reglerkloster, damit waren sie als Rechtsnachfolger der Regler-Pröpste im Besitz des Patronats über die Lorenzkirche. Nachdem aber das Regler-kloster 1660 abgebrannt war, verzichteten sie 1671 auf ihren Anspruch gegen die Zusicherung der freien Mitbenutzung der Kirche, was auch bis zur Auflösung des Ordens ( er wurde 1814 wiederhergestellt ) so gehalten wurde. 

 

Der Bau: Von dem romanischen Ursprungsbau ist nichts mehr erhalten geblieben. Älteste Bauteile sind der quadratische Turm und ein Teil der Westwand, sie stammen aus der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert. Die Weihe zweier Altäre im Jahr 1316 kann sich möglicherweise auf diesen gotischen Neubau der Kirche bezogen haben ( Haetke/Goern).

 

Bei einem Stadtbrand im Jahr 1413 brannte auch die Lorenzkirche weitgehend ab. Die nun einsetzenden Arbeiten am dritten Bau des Gotteshauses in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts brachten den Anbau des nördlichen Seitenschiffes und die Erneuerung der Südwand ( Angerseite ), die zur Schauseite der Kirche ausgebaut wurde. Die Fenster wurden über das Dachgesims hinaus erhöht und mit Giebeln eingedeckt, womit eine für Erfurt im 15. Jahrhundert einmalige Kunstform entstand.

 

Von 1888 bis 1893 erfolgte eine umfangreiche Restaurierung, bei der die Ostwand durchbrochen und eine polygonale Apsis angebaut wurde. Die drei Fenster der ursprünglich geraden Abschlusswand setzte man z. T. wieder in den neuen Chorraum ein. In den Jahren 1965/66 wurde ein weiterer grundlegender Umbau nach den Empfehlungen des II. Vatikanischen Konzils vorgenommen.

 

Der Innenraum : Im Innern bestimmt das Hauptschiff, über dem sich eine hohe Spitztonne wölbt, den Kirchenraum. Durch die umfangreichen Restaurierungsarbeiten bzw. Umbaumassnahmen in den Jahren 1965/66 bekam er seine klare und übersichtliche Gestaltung. Das niedrigere Seitenschiff, dessen unterschiedliche Pfeiler nicht in gerader Linie stehen, wird nach Osten noch schmaler. Auch die Arkadenbreiten sind verschieden. Eine spätgotische Tür im östlichen Teil der Nordwand bildet den Zugang zu der 1925 angebauten Sakristei.

 

Das Erdgeschoss des Turmes, dem Eingang benachbart, dient als Beichtkapelle. Nach der Gewölbeform zu urteilen, gehört es zu den ältesten Bauteilen der Kirche aus dem Ende des 13. Jahrhunderts.

 

Die Glocken : Unsere älteste Glocke stammt aus dem Jahre 1445. Ihre "Nachbarin" - die Laurentiusglocke - wurde 1584 gegossen. Diese Glocke musste allerdings im Kriegsjahr 1942 abgeliefert werden, wurde aber nach dem Krieg auf einem Lagerplatz in Hamburg wieder gefunden. Im Jahr 1950 kehrte sie dann an ihren alten Platz zurück. Eine frühere dritte Glocke wurde in der ersten Hälfte des 19. Jhd. gegossen. Da sie sich aber weder besonderer innerer noch äusserer Werte rühmen konnte, wurde sie 1917 eingeschmolzen.

 

Die Anschaffung einer neuen dritten Glocke erfolgte 1962. Geweiht ist sie dem hl. Wenzel. Diese Glocke dient gleichzeitig als Angelusglocke. Sie hat den Schlagton "fis" und erklingt nunmehr in Harmonie mit ihren beiden ehrwürdigen Schwestern "a" und "h".

Quellen:

  • W.Zieschang, Turmgekröntes Erfurt, © Benno-Verlag 1984
  • G.Altmann